05.07.2012

Continental AG // Interview Alexander Bahlman - Soziales Engagement hat einen hohen Stellenwert



SportMeetsCharity ist das größte Netzwerk zur Vorstellung von sozialem und gesellschaftlichem Engagement im Sport. Wir unterhalten uns mit Entscheidern aus Sport und Wirtschaft über soziale Verantwortung und ihre gesellschaftliche Einbindung. 

Diesmal: Continental AG, Alexander Bahlmann, Leiter Öffentlichkeitsarbeit Pkw-Reifen

SMC:
Die Continental AG ist einer der führenden Reifenhersteller weltweit. Aus diesem Anspruch heraus entsteht automatisch eine sozial und gesellschaftliche Rolle, die Sie gegenüber ihren Mitarbeiten und der Gesellschaft vor eine Herausforderung des Handelns stellt. Auf welche Weise nehmen Sie sich dieser Herausforderung an?

Bahlmann: Die gesellschaftliche soziale Verantwortung hat natürlich viele Facetten. Zum einen werden dabei die Mitarbeiter adressiert. Heute sind dies bereits weltweit mehr als 165.000. Wichtig ist dabei, dass wir als Unternehmen konkreten Visionen und Ideen folgen. Unsere Konzernzentrale in Hannover spielt für uns dabei eine wichtige Rolle. Es geht um das Engagement für unsere Mitarbeiter, das sie entsprechende Arbeitsbedingungen vorfinden und die Verknüpfung von Beruf und Familie erleichtert wird. Darüber hinaus geht es uns darum, da sind wir jetzt in Richtung Sponsoring unterwegs, dass wir mit unserem Engagement international, wie national und lokal, versuchen der Gesellschaft genau an dieser Stelle einen Betrag zu leisten. Zum Beispiel, dass wir unsere Möglichkeiten als Sponsor einer Europameisterschaft oder Weltmeisterschaft nutzen, um möglichst vielen Endverbrauchern die Reise zu solch einmaligen Erlebnissen zu ermöglichen.

SMC: Welche Bedeutung hat das soziale gesellschaftliche Handeln für die Continental AG?

Bahlmann: Das ist etwas, das wirklich jeden bewegt. Deshalb können und wollen wir uns als Unternehmen dem auch nicht verwehren. Das bedeutet, wir müssen uns mit den Entwicklungen in den unterschiedlichen Ländern der Welt beschäftigen. Insbesondere dort wo wir Standorte haben, an denen Continental produziert. Wo viele unserer Mitarbeiter sind, wollen wir diese gesellschaftliche Verpflichtung in besonderem Maße wahrnehmen, so dass man sich vorstellen kann, dass wir an vielen Standorten mit Produktion, zahlreiche lokale Aktivitäten unterstützen. Die Projekte sind ganz unterschiedlich ausgeprägt und haben häufig mit der Entwicklung von Kindern, mit Bildungsprojekten oder mit Sport zu tun. An der Stelle sind unsere Werkleiter und unsere Organisationen vor Ort gefragt. Sie haben dort entsprechende Kreativität und auch den Freiraum, um sich als Unternehmen lokal zu engagieren.

SMC: Die Aufgabe, als gesellschaftlich orientiertes Unternehmen zu handeln ist nicht immer leicht. Gerade im Hinblick auf die Unternehmensphilosophie stellt sich die Frage, wie Sie soziale Projekte auswählen und in welcher Form Sie diese unterstützen werden. Welche Strategie verfolgen Sie hierbei?

Bahlmann: Grundsätzlich ist uns an dieser Stelle das Thema Nachhaltigkeit sehr wichtig. Für uns als global tätiges Unternehmen ist das ein zentraler Anker der Strategie. Wir wollen nachhaltig wirtschaften und natürlich nachhaltig erfolgreich sein. Deswegen gilt bei uns auch, dass wir Projekte nicht kurzfristig und anhand von ein oder zwei Kriterien auswählen, sondern es geht darum, Projekte zu unterstützen, die sich auch langfristig entwickeln können. Ein Beispiel: Wir haben in Hannover am Konzernsitz, wo wir derzeit ungefähr 7.000 Mitarbeiter beschäftigen, vor anderthalb Jahren eine Initiative gegründet, die "Pro-Sport-Hannover" heißt. Diese hat sich dem Zweck verschrieben, den leistungsorientierten Sport in der Region Hannover zu fördern. Dort haben wir uns entscheiden, dass wir vier Projekte im Jahr mit jeweils bis zu 10.000 EUR fördern wollen, jeweils eins aus dem Bereich Einzel-, Team-, Nachwuchs- und Behinderten-Sport. Darüber hinaus ist uns aber auch der Austausch von Spitzensportlern mit Athleten wichtig, die gerne auch so erfolgreich werden wollen, sei es national, international oder sogar weltweit. Dafür haben wir das Format der Dialog-Veranstaltungen, wo uns Vorbilder wie Heiner Brand und Dr. Michael Groß unterstützt und ihre Erfahrungen weitergegeben haben. Somit hat unser soziales Engagement an dieser Stelle auch die Facette des Dialogs und des Impulse Gebens. Wir glauben, dass sich Talente schneller weiterentwickeln können, wenn sie von den Erfahrungen anderer lernen. Und wir können allen Bewerbern ganz klar sagen, was wir suchen und was nicht, was die Auswahl für alle Beteiligten deutlich effizienter macht.

SMC: Jetzt haben wir das Projekt "Pro-Sport-Hannover" schon gehört. Gibt es noch andere soziale Initiativen bzw. Projekte, die von Ihnen aktuell unterstützt werden und warum?

Bahlmann: Ja, da gibt es natürlich viele. Die Motivation ist natürlich immer die gleiche. Wenn man sich vorstellt, wir sind ein Unternehmen, das sich anschickt, in einigen Jahren 200.000 Mitarbeiter zu haben, dann ist es für uns natürlich wichtig, bei den potentiellen Mitarbeitern von morgen einen guten Eindruck als Arbeitgeber zu hinterlassen. Deswegen haben wir sehr gute Verbindungen zu Universitäten geknüpft. Ziel dieser Kooperationen ist es, den Studierenden zu berichten, was bei Continental so alles passiert und wie vielfältig man sich bei uns entwickeln kann. Diese Initiative ist daher im Bereich Hochschul-Marketing oder anzusiedeln. Aber mein Punkt ist eigentlich, dass es mehr eine Form von Kooperation ist, wo wir versuchen, den Studenten und Doktoranden Möglichkeiten der Zusammenarbeit aufzuzeigen. Hier haben wir z.B. schon vor einigen Jahren ein jährliches Projekt ins Leben gerufen, das sich "Formular Student" nennt. Hierbei bauen zahlreiche Ingenieur-Teams Fahrzeuge, die sich dann tatsächlich auf der Rennstrecke bewähren müssen. Hierbei sind wir Reifenpartner und bauen für diese Fahrzeuge extra Reifen. Wir tauschen uns dabei mit den Studenten aus, geben denen Einblicke in die Reifenentwicklung und versuchen so die Möglichkeiten aufzuzeigen und uns als attraktiver Arbeitgeber zu positionieren.

SMC: Welcher Problemstellung haben sich Unternehmen gerade im Bereich ihrer Übernahme von sozialer Verantwortung zu stellen?

Bahlmann: Wichtig ist für uns, ein Konzept erarbeitet zu haben und mit diesem Konzept erklären zu können, welche Projekte wir unterstützen. Denn natürlich ist es so, dass an jedem Standort ganz viele Leute versuchen, von Continental Unterstützung zu bekommen. Angefangen vom Kindergarten, über Schulen und Sportvereine. Dort hätten wir ohne konzeptionelle Grundlage das Problem, nicht erklären zu können, wonach wir eigentlich suchen. Beispielhaft ist uns dies bei dem Projekt/Initiative "Pro-Sport-Hannover" gelungen. Hier können wir ganz klar sagen, wir suchen ein Projekt pro Jahr im Einzelsport, eines aus dem Bereich des Mannschaftssports, eines im Nachwuchs und eines im Behindertensport. An anderen Projekten sind wir im Rahmen dieser Initiative nicht interessiert, weil es uns speziell um die Unterstützung der leistungsorientierten Sportler in Hannover geht. Das ist, so glaube ich, eine Notwendigkeit, die ganz viele Unternehmen betrifft, die so groß sind wie Continental. Denn dort wollen natürlich möglichst viele davon profitieren, dass wir an verschiedenen Standorten weltweit, das sind heute 269 insgesamt, eine große Menge von Mitarbeiter beschäftigen, die auch einiges bewegen können, wenn sie denn von einem Projekt überzeugt werden.

SMC: Aus der Sicht eines Unternehmens: Oftmals bleiben Anfragen sozialer Einrichtungen von Unternehmen unbeantwortet. Die Begründungen hierbei sind nicht immer aufschlussreich. Was raten Sie Vertretern von sozialen Projekten in solch einer Situation zu tun bzw. wie sollte diese "Absagen" bewertet werden?

Bahlmann:
Ja, ganz wichtig ist es, so glaube ich, sich klar zu machen, dass es eine individuelle Ansprache geben muss. Wenn man per E-Mail über die Konzern-Internetseite angeschrieben wird, dann fragt man sich als Unternehmensvertreter natürlich, warum Leute nicht in der Lage sind, einen konkreten Kontakt telefonisch zu ermitteln und den Kontakt dann persönlich herzustellen. An der Stelle muss man einfach sagen, sind das so viele Anfragen, dass man da auch nicht unbedingt gewillt ist sie, alle in Ruhe zu beantworten. Mir fehlt häufig einfach die persönliche Ansprache.

SMC: Wenn Sie Vertreter einer sozialen Einrichtung wären und sich über die Unterstützung der Continental AG erkundigen möchten, wie würde Sie am besten vorgehen?

Bahlmann: Die individuelle Ansprache ist für mich unabdingbar. Auf jeden Fall sollte der richtige Ansprechpartner ausfindig gemacht werden und zwar nicht elektronisch, sondern persönlich. Und diesem dann einfach direkt sagen, worum es geht. Denn am Ende des Tages geht es für beide Seiten darum, möglichst schnell rauszufinden, ob da was daraus werden kann oder nicht.

SMC: Die Bedeutung unternehmerischem Handelns gerade im Bereich sozialer und gesellschaftlicher Integration des Unternehmens nimmt weiter zu. Wie sehen Sie die Zukunft hinsichtlich der Übernahme sozialer Verantwortung von Unternehmen generell und hier insbesondere der Continental AG?

Bahlmann:
Ja, ich denke, dass sich im Bereich Corporate Social Responsibility eine stärkere Kultur entwickeln wird. Soziale Verantwortung wird für viele Unternehmen, egal welcher Größe, bald einfach zum normalen Tagesgeschäft gehören. Das diese Chancen oder sagen wir mal, das Potential dafür größer wird, ist an der Stelle natürlich eine gute Nachricht für viele, die gerne Unterstützung bekommen würden. Auf der anderen Seite steht aber wieder die Individualität. Nicht jeder passt zu jedem Unternehmen. Und deswegen muss sich jeder klar machen, dass er gute Argumente braucht, warum ein Unternehmen sich für sein Projekt engagieren sollte und nicht einfach glaubt, dass die eine besondere Unternehmensgröße ausreicht, um sich bei vielen Projekten zu engagieren.

SMC: In welchem Bereich sollten sich Ihrer Meinung nach Unternehmen stärker engagieren?

Bahlmann: Ich denke, das ist eine ganz klare Sache, nämlich in der Ausbildung unseres Nachwuchses und damit im Bereich Bildung. Das hat natürlich den Hintergrund, dass wir heute schon die Weichen mit stellen müssen, für das Wachstum von morgen. Die Basis dafür ist aus meiner Sicht eine gut ausgebildeter Nachwuchs. An der Stelle sind für uns als sehr Technologie-getriebenen Konzern wissenschaftliche Themen, Technik an sich und für Technik zu begeistern können, ganz wichtig. Dies kann man natürlich auch schon im jungen Alter unterstützen, in dem man dort bei Projekten oder bei Veranstaltungen aufzeigt, was für faszinierende Technik hinter den Produkten von heute und morgen steht. Dies sollte dann so organisiert sein, dass es Technik zum Anfassen gibt.

SMC: Wenn Sie einen Sinnspruch als Lebensmotto auswählen könnten, wie würde dieser lauten?

Bahlmann:
Das ist eine nicht so einfache Frage. Eigentlich gibt es schon ein Lebensmotto für mich persönlich und zwar: respektvoll mit anderen umzugehen, damit diese sich einem selbst gegenüber auch respektvoll verhalten.

Vielen Dank für das Interview

Das Interview führte Matthias Lang für den Stiftung Sport Meets Charity e.V.


Anzeige

Anzeige