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13.10.2011

Florian König | Interview - "Leben und leben lassen"



SportMeetsCharity ist das größte Netzwerk zur Vorstellung von sozialem und gesellschaftlichem Engagement im Sport. Wir stellen die Menschen dahinter und ihr soziales Engagement vor.  

Diesmal: Florian König, Motorsportexperte 




An der Rennstrecke und bei Deiner Arbeit zeigst Du großen Ehrgeiz! Hat Dich die Welt des Sports geprägt und wenn ja in welcher Form? 

Die Welt des Sports hat mich geprägt auf jeden Fall! Ich finde in großer Zahl die Menschen die sich dort tummeln und erfolgreich sind doch Vorbildcharakter haben in vielerlei Hinsicht. Wenn junge Menschen sich auf Ziele fokusieren, alles dafür zu tun, dieses Ziel auch zu erreichen und das auch vorbildhaft ausserhalb des Sports umsetzen kann man sich durchaus ein paar Dinge abschauen. Das fasziniert mich schon und hat mein Handeln sicherlich auch beeinflusst. 
Ob es mich jetzt massiv geprägt hat ist sicherlich das falsche Wort. Aber ich habe versucht, mir das Eine oder Andere abzuschauen. 

Welche Werte wurden Dir in Deiner Kindheit vermittelt, welche Werte siehst Du aus heutiger Sicht als bedeutungsvoll für das gesellschaftliche Miteinander an? 

Mir wurde von meinen Eltern sehr früh vermittelt, respektvoll mit anderen Menschen umzugehen, die Anderen zu respektieren in ihrer Art, nicht zu versuchen sich alle so hinzudrehen wie man sie gerne haben würde, sondern sie so zu lassen wie sie sind, also nach dem Motto  „leben und leben lassen“. Diese Lebenseinstellung ist letztlich  für mich heute auch wichtig in der Erziehung meiner Kinder, dass die zu toleranten, offenen kritischen Geistern werden. Das haben mir meine Eltern auch mir immer mitgegeben auf mich zu vertrauen, selbstbewusst zu werden, den eigenen Blick sich zu gestatten auf die Umwelt, auf die Menschen, die um einen herum sind und da seinen Weg zu finden, aber den anderen auch ihren Weg zu lassen. 

Wie würdest Du sagen gehen die Menschen heute miteinander um? 

Ich finde, teilweise ist der Umgang doch recht oberflächlich geworden. Auch ein bisschen vielleicht durch den Siegeszug der neuen Medien, d.h. es wird irgendwie alles gepostet und jeder hat 800 Freunde, aber wie viel Freunde hat er wirklich und was ist wirklich wichtig usw.. Das tritt oftmals dahinter so ein bisschen zurück. Viele Leute sind vielleicht ein bisschen im Umgang miteinander abgestumpft auch durch die vielen Einflüsse, denen wir so unterliegen. Aber dennoch kenne ich viele Menschen, die toll und respektvoll und gut miteinander umgehen. Ich tue mir da schwer, so ein pauschales Urteil abzugeben ich empfinde es sehr unterschiedlich.  

Du selbst engagierst Dich ebenfalls. Welches Thema oder Projekte liegen Dir am Herzen? 

Da ist zum einen das Ronald-Mc-Donald Kinderhaus in der Universitätsklinik Tübingen, das jetzt Ende diesen Jahres eröffnet wird und das Eltern ermöglicht, nahe bei ihren zu behandelnden Kindern in der Uniklinik zu sein. Das hilft einfach, Nähe zu behalten. Für den Heilungsprozess der Kinder ist es gut wenn die Eltern da  sind, für die Eltern ist es gut wenn sie nahe beim Kind sein können. Und das ist eine tolle Sache, die weltweit von der McDonald´s Stiftung durchgezogen wird. Als gebürtiger Tübinger habe ich mich sehr gerne für die Schirmherrschaft dieses Kinderhauses bereit erklärt und bin mit Leib und Seele dabei. 

Das andere Projekt für das ich mich engagiere liegt in Südafrika und heißt Dibanisa, was mit Hilfe des Sports versucht, Kindern den Weg aus einer, auf den ersten Blick hoffnungslosen Situation zu zeigen, sie an Dinge wie Disziplin und anderes heranzuführen, es ist ein kleines Projekt, ein lokales Projekt ohne die ganz großen Sponsoren im Hintergrund was aber sehr gut funktioniert. Ich habe mir das bei der WM in Südafrika vor Ort angeschaut und finde das eine klasse Sache.  

Warum setzt Du Dich gerade für diese Projekte ein?  

Ehrlicherweise ist es so, dass es zufällig gekommen ist. Die Ronald-Mc-Donald-Kinderhilfestiftung ist an mich herangetreten, weil sie wußten, dass ich aus Tübingen komme. Mich davon zu überzeugen war ein Leichtes, weil ich mich selbst sehr darüber gefreut habe, dass sie an mich gedacht haben. Ebenso kam es mit dem Projekt in Afrika, über das ich von einem Bekannten erfahren habe. Es hatte mich einfach interessiert und nachdem ich mich mit dem Projekt näher beschäftigt hatte, wollte ich einfach helfen. 

Was kannst Du durch Dein Engagement bewegen? Was glaubst Du, was Du Engagement kannst? 

Mein Engagement besteht zum großen Teil darin, diese beiden Projekte in die Öffentlichkeit zu tragen, den Einen oder Anderen vielleicht an dieses Projekt heranzuführen. Das heißt, im Konkreten sind meine Verdienst klein, aber bei diesen Projekten, die doch auch hohen finanziellen Aufwand bedeuten ist es eben auch wichtig, dass man irgendwie Menschen hierfür begeistert, und dafür suche ich eben Unterstützer. Es gibt viele Menschen, die sich doch ganz konkret engagieren und die aktiv handeln und mit ihrem Hirnschmalz bestimmte Dinge dann auch machen. Aber auch diese Personen brauchen Unterstützung für die Verwirklichung der Projekte und hier versuche ich meine etwas größere Bekanntheit als die des Durchschnittsbürgers dazu zu verwenden, so ein bisschen Licht auf diese Projekte zu lenken. 

Welches war Dein emotionalstes Erlebnis, das Du durch Dein privates Engagement erfahren durftest? 

Bei beiden Projekten habe ich sehr emotionale Momente erleben dürfen. Beim Ronald-Mc-Donald-Kinderhaus in Tübingen war es sicherlich die Grundsteinlegung, was ich als einen sehr bewegenden Moment empfand. Da waren viele Patienten aus der Uniklinik da, viele Förderer, auch die klinische Leitung und man hat dann gemeinsam so einen Grundstein befüllt mit den besten Wünschen. Ich hatte irgendwie das Gefühl das war der Anfang einer tollen Geschichte. 

Und bei dem Anderen war es eben das Township, ca.200 km entfernt von Kapstadt. Dort hat mich ein Fußballtrainer zu besuchen in seinem Haus eingeladen,  das eigentlich mehr oder weniger eine Hütte war, der aber dort mit dem Geld, was man als Fußballtrainer bei dieser Organisation mehr oder weniger verdient, acht Kindern morgens immer Frühstück besorgt. Es hat mich sehr bewegt, wie er uns unheimlich stolz in sein Haus geführt hat. Ich hatte erst das Gefühl ich  bin so ein europäischer sensationslüsterner Mensch der dann sehen will, wie schwierig die Lebensumstände in Südafrika sind und wollte erst gar nicht da reingehen und ihm nicht auf die Pelle rücken. Aber der wollte uns unbedingt was zeigen, war ganz stolz und hat sich unheimlich gefreut dass wir da waren. Es war unheimlich schön zu sehen, mit welcher Haltung diese Menschen, insbesondere dieser Trainer ihr Leben da meistern. 


In der Welt des Sports erlebt man ja viele Höhen und Tiefen. Was war für Dich denn ein sportliches Highligth, das Du erleben durftest? 

Ich habe natürlich durch meinen Job schon ein paar tolle  Sachen erlebt, was nicht so weit zurückliegt. Der erste WM-Titel von Sebastian Vettel in Abudabi war eine ganz tolle Geschichte für mich. Ich habe da zum ersten Mal eigentlich seit Ewigkeiten meine Unparteilichkeit verloren irgendwie, ich habe mitgefiebert wie ein Fan und war echt nahe an der Ergriffenheit als es noch geklappt hat. Dass ich den Kerl einfach unheimlich schätze und ihm das sehr gegönnt habe und das ganze Drumherum hat irgendwie gepasst, dieser Rückstand und die Spannung und es war eine warme Nacht in Abudabi und irgendwie war das alles echt irre und deswegen habe ich das als eines der ganz großen Highligths im Gedächtnis. 

Was war ein sehr bitterer Moment, den Du im Sport erlebt hast? 

Für mich war es ein sehr bitterer Moment, als RTL 1999 das Champions-League-Finale übertragen hat, 1999 war das glaube ich Bayern gegen Manchester United. Zunächst einmal war das für mich bitter, weil wir da eigentlich schon kurz davor standen mit den Bayern den Titel zu feiern, dann hat Manchester ja  in den letzten Minuten noch zwei Tore geschossen und zum anderen war es unser letztes Spiel, RTL hatte danach die Rechte verloren. 

Gibt es für Dich einen Spruch, ein Lebensmotto, das Du lebst bzw. das Du anderen Menschen gerne mitgeben würdest auf ihrem Lebensweg? 

„Leben und leben lassen“, ich bin immer sehr stark irritiert von diesen doch teilweise extremen Konflikten, sei es zwischen Nachbarn über den Gartenzaun aber auch zwischen Religionen oder z.B. zwischen Staaten. Es ist für mich schwierig, deswegen finde ich einfach, warum lassen die Leute z.B. nicht den Andersgläubigen so sein wie er ist. Das wäre eigentlich so mein Lebensmotto. In Köln würde man sagen: Jeder Jecke ist anders – Leben und leben lassen. Ich finde, es darf ruhig die Unterschiede geben, aber es soll deswegen nicht zu Konflikten kommen.

Vielen Dank für dein Interview!



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