04.07.2012

Stiftung Sport Meets Charity e.V. // Inside // Olympia 2012 - Die Kehrseite der Medaille



Die Euphorie der EM in Polen und der Ukraine ist noch nicht ganz versiegt, da steht auch schon das nächste große sportliche Highlight dieses Jahres vor der Tür: Die Olympischen Sommerspiele 2012 in London.

Voller Vorfreude blicken "unsere" Athleten auf die ereignisreichen Spiele und den erhofften Medaillen-Regen.
Der Bau der Spielstätten im Randbezirk von London (Noham) hatte bereits bei der Bewerbung um die Olympischen Spiele den Anspruch einer nachhaltigen Nutzung im Anschluss an das Großereignis. So erhielt London vom IOC die Zusage u.a. durch das Versprechen, den Olympia Park nach den Spielen als Mittelpunkt für die sozial schwächsten Stadtteile Londons und ihrer multikulturellen Bevölkerung zu hinterlassen.
Auch der Bau des Olympischen Dorfes mit 6.000 Wohnungen, finanziert durch private Investoren, hatte die Zielsetzung, im Anschluss an die Spiele als Wohneinheiten an Privatpersonen vermietet zu werden.
Soweit lesen sich die Auszüge des 160 projektstarken Entwicklungs- und Nutzungsplanes des Olympiageländes sehr gut. Leider wurde hierbei ein elementarer Punkt in der objektiv nachvollziehbaren Strategie nicht berücksichtigt.

Die Aufwertung eines bis dato sozial schwachen Randbezirkes von London und die Konsequenz hinsichtlich der Nachfrage sozialen Wohnraumes Londoner Bürger.

Wie aus des den Onlinenachrichten der Nürnberger Zeitung vom 24.04.2012 hervorgeht, warten gerade in dem Randbezirk von London über 32.000 Menschen auf eine Wohnung. Gerade durch die hohen Mietpreise in der Innenstadt sind viele Arbeiter gezwungen, in den äusseren Regionen Londons zu wohnen und täglich eine mehrstündige Anfahrt zu ihrem Arbeitsplatz in Kauf zu nehmen.

Gerade der Bezirk Noham gilt als sozial schwach und beherbergt viele Familien, die am Existenzminimum leben. Durch die Aufwertung dieser Gegend wird somit auch das Interesse an der Wohnlage bei den Durchschnittsverdienern geweckt, was die Mietpreise in die Höhe treibt.
Die jüngste Reaktion daraus ist die Tatsache, dass durch den Anstieg des Mietspiegels, Sozialwohnungen durch das hiesige Sozialamt nicht mehr bezahlt werden können.
Die Folge davon war der Antrag der Gemeindeverwaltung, 500 der ärmsten Familien im Stadtteil Newham auszuweisen und in einer der 1179 bestehenden Sozialwohnungsgesellschaften, die teilweise mehr als 200 KM entfernt sind, zu vermitteln.
Die Konsequenzen für die Familien wurden hierbei nicht berücksichtigt. Auch wenn der gewollte Ansatz aus der Bewerbung für die Olympischen Spiele der Stadt London die Absicht hatte, gerade in sozial schwächeren Region eine Lebensstabilität aufzubauen, so gilt dies nicht für alle, wie es scheint.

Die Vorfreude auf die Olympischen Spiele wird dadurch sicherlich nicht getrübt, zumindest nicht für alle.

In diesem Sinn,

Ihr Matthias Lang

Der Olympische Park im Osten Londons

(Quelle: ODA - Olympic Delivery Authority, London)




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