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SportMeetsCharity ist das größte Netzwerk zur Vorstellung von sozialem und gesellschaftlichem Engagement im Sport. Wir unterhalten uns mit Entscheidern des Sports über die soziale Verantwortung im deutschen Spitzensport.
Diesmal: Thomas Röttgermann, Geschäftsführer der VfL Wolfsburg Fußball GmbH
SportMeetsCharity: Der VfL Wolfsburg setzt sich in vielen Bereichen mit der Thematik seiner sozialen und gesellschaftlichen Verantwortung auseinander. Warum setzt sich der VfL Wolfsburg vermehrt für soziale Projekte ein?
Thomas Röttgermann: Als Bundesligaverein und wichtiger Teil der Stadt Wolfsburg hat der VfL Wolfsburg eine große Verantwortung gegenüber den Menschen der Region. Das schließt soziales Denken und Handeln natürlich mit ein. Mit der Anfang 2012 neu gestarteten Initiative „Gemeinsam bewegen“ wollen wir unserer Verantwortung gerecht werden und eine Vorbildfunktion übernehmen. Dabei leisten wir echte Teamarbeit: Die Fans, insbesondere Kinder und Jugendliche sowie Eltern und Lehrkräfte, aber auch Sponsoren und Partner – alle in der Region engagieren sich. Denn gemeinsam können wir mehr Ziele erreichen und mehr Menschen bewegen.
SMC: Nach welchen festgelegten Richtlinien oder Vorgaben hat der VfL Wolfsburg seine Engagements ausgewählt?
TR: Vier Themenbereiche liegen uns besonders am Herzen: Bildung, Integration, Gesundheit und Umwelt. Dies sind Themen, in denen wir als Verein gerade bei Kindern und Jugendlichen viel bewegen können – für eine bessere Zukunft unserer Jugend. Ein weiteres wichtiges Kriterium war für uns der Innovationsgrad der Projekte. Wir möchten eine Vorreiterrolle übernehmen und dadurch neue Impulse für die Öffentlichkeitsarbeit schaffen. Ein hohes Potential bieten hier natürlich innovative und auch überregional wirkende Projekte.
SMC: Wie genau setzt der VfL Wolfsburg die Kooperationen mit seinen Sozialpartnern um?
TR: Wir haben uns dazu entschieden, den Großteil unserer Projekte eigenständig zu initiieren. Dabei setzen wir jedoch auch auf die Unterstützung unserer Sozialpartner, die das entsprechende Know-How mitbringen. Unser Bildungsprojekt, das VfL-Wiki, ist dafür ein tolles Beispiel. Gemeinsam mit erfahrenen Medienpädagogen, die bereits mehrere nationale und internationale Wiki-Projekte umgesetzt haben, haben wir ein deutschlandweit höchst innovatives eLearning-Arrangement für Schulen geschaffen, welches Schülerinnen und Schüler über das Thema Fußball für das Lernen begeistert.
SMC: Wie sieht der Austausch mit anderen Vereinen aus, in der Bundesliga, sportartenübergreifend oder im Ausland?
TR: In den letzten Jahren ist der Austausch innerhalb der Liga gewachsen. Seit 2011 wird dieser auch durch die Bundesliga-Stiftung gefördert. Natürlich wollen wir in erster Linie neue Projekte entwickeln. Man sollte sich jedoch nicht davor scheuen, gutes von anderen Vereinen zu übernehmen. Hier könnten die Vereine noch stärker voneinander profitieren.
SMC: Wie wichtig ist in Ihren Augen der Bereich CSR für die Vereinsarbeit aktuell und in den kommenden Jahren? Wird er an Bedeutung gewinnen oder ist es momentan nur ein Trend?
TR: Der Bereich CSR wird sicherlich auch weiterhin deutlich zulegen. Viele Vereine haben das Potential erkannt, um Ziele wie Fanbindung, Imagegewinn oder die Bindung neuer Partner und Sponsoren zu realisieren und professionalisieren Ihr Engagement zunehmens.
SMC: Als sportliche Saisonziele werden bestmögliche Platzierungen in der Liga und Titelgewinne ausgegeben, gibt es auch „soziale“ Zielvorgaben?
TR: In jedem Fall. Der VfL Wolfsburg hat, nicht zuletzt als 100% Tochter eines Weltkonzerns den Anspruch, in allen Bereichen top zu sein und in der Spitzengruppe mitzuspielen. Dies beschränkt sich nicht nur allein auf den sportlichen Bereich.
SMC: Welche Rolle kann SportMeetsCharity spielen, wenn es darum geht das Thema „Soziale Verantwortung“ im deutschen Profi- und Breitensport weiter voranzutreiben?
TR: SportMeetsCharity hat eine einmalige Plattform geschaffen, die die Sportwelt und den sozialen Gedanken des Sports stärker vernetzt. Der Austausch und die Kommunikation untereinander sind sicherlich die entscheidenden Erfolgsfaktoren, um das gesellschaftliche Engagement in der Breite und auch Tiefe weiter voranzutreiben.
SMC: Welche Bedeutung messen Sie dem Bereich CSR im Hinblick auf die Gewinnung neuer Sponsoren bei?
TR: Im Stadionbereich sind heute nahezu alle Möglichkeiten ausgereizt. Im Sozial- bzw. Ökosponsoring schlummert dagegen noch viel Potential. Gerade Sponsoren suchen mittlerweile die etwas „andere“ Nähe zum Verein. CSR bietet dabei die Chance, nicht nur Werbeflächen zu verkaufen, sondern gemeinsam mit den Sponsoren auch inhaltlich etwas zu entwickeln. Voraussetzung dafür ist eine klare Strategie des Vereins und eine stringente Kommunikation.
SMC: Wie gehen die Fans mit den CSR-Aktivitäten Ihres Vereins um? Nehmen sie es überhaupt war? Und wenn ja, wie?
TR: Mit der Initiative „Gemeinsam bewegen“, die das gesellschaftliche Engagement des Vereins erstmals ganzheitlich abbildet, beschreiten wir seit Beginn des Jahres Neuland. Jedoch haben wir bereits in der Vergangenheit positive Erfahrungen mit prominenten sozialen Aktivitäten, wie der Krzysztof-Nowak-Stiftung und der Partnerschaft „Ein Herz für Kinder“ in der Meistersaison 2009 gemacht, die von den Fans sehr gut angenommen wurden. Entscheidend ist, die Fans frühzeitig mit einzubeziehen - mitwirken statt konsumieren.
SMC: Wie gehen die Spieler des VfL Wolfsburg damit um, wenn Anfragen an sie herangetragen werden? Ist das CSR-Verständnis schon im ganzen Verein verbreitet und ein bewusstes Thema oder doch eher eine Randnotiz zum Tagesgeschäft?
TR: CSR wird bei uns nicht von Oben herab verordnet, sondern ist in den letzten Jahren durch die Mitarbeiter des VfL gewachsen. Dies fördert natürlich die Akzeptanz bei allen im Verein, auch im sportlichen Bereich. So hat unser Cheftrainer Felix Magath die Schirmherrschaft für unser Leuchtturmprojekt im Bereich Gesundheit, das Muuvit-Abenteuer, übernommen. Auch die Profis sind regelmäßig in Aktivitäten eingebunden. Wichtig ist es, diese vorab über unsere Projekte zu informieren. Sicherlich zählen am Ende des Tages an erster Stelle die drei Punkte auf dem Platz. Wir wollen mit unserer Initiative „Gemeinsam bewegen“ aber auch außerhalb des Platzes Zeichen setzen. Fußball ist mehr als nur 90 Minuten.
Vielen Dank für das Gespräch Herr Röttgermann!
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