28.03.2012

Wissen // FASPO stellt neue Sponsoringstudie vor



Hamburg. 28. März 2012. Die Sponsoringinvestitionen der deutschen Wirtschaft werden bis 2014 zunehmen. Besonders profitiert davon das Sport-Sponsoring, der dominierende Sponsoringbereich. Das belegt die aktuelle Studie SPONSOR VISIONS 2012 des Fachverbandes Sponsoring FASPO (durchführendes Institut: IFM Sports). Im Rahmen der Studie wurden Anfang 2012 Marketingverantwortliche sponsernder Unternehmen nach ihrem Sponsoring im Jahr 2012 und ihren Erwartungen an die Entwicklung des Sponsorings befragt.

Für dieses Jahr erwarten die Experten ein Sponsoringvolumen von 4,4 Mrd. Euro. In den kommenden beiden Jahren soll dieses Volumen auf 4,8 Mrd. ansteigen, wobei die größte Steigerung das Sport-Sponsoring mit einem Anstieg von derzeit 2,8 Mrd. auf 3,0 Mrd. in 2014 erzielt.

98 Prozent der befragten Unternehmen setzen auf Sport-Sponsoring, 54 Prozent üben Public-Sponsoring aus und unterstützen öffentliche Institutionen, wissenschaftliche Einrichtungen und soziale Projekte. 54 Prozent betreiben Kultur-Sponsoring und 44 Prozent Medien-Sponsoring.

Fußball hat nach wie vor eine Ausnahmestellung. 81 Prozent der Sportsponsoren werden in diesem Jahr  im Fußball aktiv. Davon ein Gutteil auch mit regionalem Breitensportinteresse. Mit deutlichem Abstand folgen Basketball (32 Prozent), Handball (28 Prozent), Eishockey (23 Prozent), Frauenfußball (19 Prozent) und Reiten (19 Prozent). 17 Prozent der befragten Unternehmen wollen die Fußball-EM 2012 sponsern. Im Vordergrund stehen dabei Image, Bekanntheitsgrad, Kontaktpflege und Kundenbindung. Jedes zweite befragte Unternehmen will mit seinem Sportsponsoring auch gesellschaftliche Verantwortung beweisen. Konkrete Absatz- und Umsatzziele wollen hingegen nur 26 Prozent erreichen.

Für Fußball (plus 44 Prozent), Basketball  (plus 33 Prozent) und Snowboarding (plus 27 Prozent)  prognostizieren die Marketing-Spezialisten bis 2014 eine Zunahme der Sponsoring-Investitionen. Für Golf wird eine Zunahme von 25 Prozent erwartet und für Behindertensport sowie Mountainbiking ein Plus von 23 Prozent. Die Entwicklung des Frauenfußballs (plus 15 Prozent) wird nach der Heim-WM im vergangenen Jahr verhalten bewertet.

Im Super-Sportjahr 2012 hat die Fußball-Bundesliga die höchste Bedeutung im Sponsoring. 45 Prozent der befragten Unternehmen wollen hier sponsern. 17 Prozent haben die Fußball-EM auf dem Investitionsplan. Nur noch geringes Interesse besteht seitens der Wirtschaft an der Tour de France, die nur 2 Prozent sponsern wollen.

Steigende gesellschaftliche Verantwortung und mehr Professionalisierung in Kultur und Public

Die Studie SPONSOR VISIONS 2012 spiegelt wider, dass Unternehmen zunehmend gesellschaftliche Verantwortung praktizieren. 50 Prozent der befragten Sponsoring-Spezialisten erwarten, dass Öko-Sponsoring künftig größere Bedeutung haben wird. 44 Prozent gehen davon aus, dass Sozio-Sponsoring wachsen wird, eine Steigerung des Schul-Sponsorings sehen 42 Prozent, und 38 Prozent meinen, dass Wissenschaftssponsoring zunehmen wird.

Ebenfalls eine positive Entwicklung: Gegenüber dem bereits seit langem hoch professionell geführten Sportsponsoring bestätigen 63 Prozent der Fachleute dem Kultur- und Public-Sponsoring eine deutlich verbesserte Professionalisierung bei der Vermarktung.

Positive und negative Faktoren der Marktentwicklung

Da Klimaschutz und der Wandel im Energiemarkt eine zunehmend wichtige Rolle in der Wirtschaft spielen, treten Unternehmen dieser Branchen häufiger als Sponsoren auf. Der Sponsoringmarkt profitiert davon in erheblichem Maße, wie an dem massiven Einstieg der Solar-Sponsoren in der Fußball-Bundesliga sichtbar wird. 44 Prozent der Befragten erwarten für das Jahr 2012 eine weitere Zunahme der Sponsoring-Projekte im Rahmen des Klimaschutzes und 38 Prozent mehr Sponsoring durch Energiemarkt-Aktivitäten.

Die Rechtsunsicherheit bei Hospitality-Maßnahmen (75 Prozent), drohende Werbeverbote (69 Prozent), die Doping-Problematik (67 Prozent) und die Euro-Krise (60 Prozent) wirken sich nach Ansicht der Sponsoren negativ auf den Sponsoring-Markt aus.

Neue Wege zu jungen Zielgruppen

Sponsoren stehen kontinuierlich vor der Herausforderung sich verändertem Informationsverhalten anzupassen. 83 Prozent der Sponsoring-Experten sagen, Sponsoring müsse im digitalen Zeitalter neue Wege gehen, um junge Zielgruppen zu erreichen. 77 Prozent sind der Überzeugung, dass das Internet weiter an Bedeutung gewinnen wird, und 65 Prozent setzen auf Mobilfunk-Sponsoring. Social Media ist nach Ansicht von 81 Prozent zu einem selbstverständlichen Bestandteil integrierter Sponsoring-Maßnahmen geworden.

Der Fachverband Sponsoring FASPO ist die zentrale Interessenvertretung der Sponsoring-Wirtschaft in Deutschland, Österreich und der Schweiz und gestaltet maßgeblich die Rahmenbedingungen dieses Wirtschaftszweiges.

Der Kulturkreis der deutschen Wirtschaft fordert mehr öffentliche Anerkennung für die Förderung von Kultur durch Unternehmen. Während im Sport Fußballstadien Allianz Arena oder Signal Iduna Park hießen, werde in der kulturellen Berichterstattung oftmals noch nicht einmal der Unterstützer einer Ausstellung erwähnt, kritisierte der Geschäftsführer des Kulturkreises der deutschen Wirtschaft im Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI), Stephan Frucht, im Interview mit der Nachrichtenagentur dapd.



"Wenn Sponsoren auch in der Kultur unverkrampft genannt würden, würden viele Firmen einer Förderung intern leichter zustimmen", betonte Frucht. Insgesamt engagierten sich noch viel zu wenige Unternehmen für Kultur. Auch vor dem Hintergrund der ab 2020 greifenden Schuldenbremse im Grundgesetz und der damit voraussichtlichzurückgehenden staatlichen Kulturförderung werde die Kulturlandschaft ohne die Unterstützung aus der Wirtschaft wohl nicht auskommen.



Frucht bezweifelte aber, dass in Deutschland ein Wechsel hin zum anglo-amerikanischen Modell erfolgreich sein werde, bei dem sich der Staat weiter aus der Kulturfinanzierung zurückziehe und Unternehmen sowie Privatleute einsprängen.



Nach Einschätzung des Kulturkreis-Geschäftsführers können die Kürzungen der öffentlichen Hand in Deutschland nicht von Unternehmen, Stiftungen und privater Seite aufgefangen werden. Dafür sei die deutsche Staatsquote zu hoch. Daher rechne er mit einem Abbau kultureller Infrastruktur. Die langfristige Perspektive sei "besorgniserregend".  

Frucht verwies darauf, dass im Wettbewerb der Unternehmen um Fachkräfte auch "die Kultur vor Ort ein wichtiger Standortfaktor ist". Das Beispiel USA zeige, dass dort die Ost- oder Westküste auch aufgrund des größeren Kulturangebotes als Standort bevorzugt würden. "Da zeigt sich deutlich, dass einer wirtschaftlich prosperierenden Region oft auch eine kulturoffene Atmosphäre vorausgeht. Diese Atmosphäre muss Deutschland weiter flächendeckend bieten."

(Quelle: http://www.faspo.de/forschung/483-2012-03-21-19-48-47.html)


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